Reisebericht Albanien

Camperstyle Roadtrip Albanien

 

Wir haben schon viele Länder bereist, traumhafte Landschaften bestaunt, uns von den Menschen und ihren teils fremdartigen Kulturen begeistern lassen – doch Albanien hat es uns auf eine ganz besondere Weise angetan.

Diese Mischung aus wilder Naturschönheit, Herzlichkeit, Gastfreundschaft und chaotischem, quirligen Leben erinnert eher an Südamerika als ans doch eher strukturierte, geordnete Europa. Und genau das macht dieses Land so faszinierend.

Buntes Alltagstreiben

Schon beim Grenzübertritt wird der Unterschied spürbar: Auf albanischer Seite tummelten sich plötzlich Straßenverkäufer mitten auf der Fahrbahn, es wird gelacht, gerufen, gescherzt, gehupt. Autos und Lastwagen fahren munter durcheinander, dazwischen Ochsenkarren, Ziegenherden und Radfahrer. Man hält ohne Vorwarnung an, um mal eben eine frische Melone oder ein Kilo Tomaten an einem Stand zu erstehen oder ein Schwätzchen zu halten. Fahrspuren, Blinker oder gar Verkehrsregeln? Völlig überbewertet!

Dieses bunte Treiben ist ansteckend. Auch wir ertappen uns schon nach wenigen Kilometern dabei, dass wir in alte mexikanische Fahrgewohnheiten zurückfallen und uns dem lokalen Rhythmus anpassen, den Blick stets auf sämtliche Spiegel und mögliche Polizeistreifen gerichtet.

Landschaft Albanien

Sehenswürdigkeiten

Unsere erste Station ist das Umland der Hauptstadt Tirana. Auf dem hübschen, familiengeführten kleinen Campingplatz „Camping Tirana“ werden wir begrüßt wie alte Freunde. In einem Mischmasch aus Englisch, Italienisch und Spanisch weist man uns einen Stellplatz mit Seeblick zu und abends gibt es zur Feier des Tages ein Glas Raki. Und mit „Glas“ ist auch „Glas“ gemeint! Dass wir in dieser Nacht tief und fest schlafen, ist sicherlich nicht nur auf das heimelige Frosch- und Grillenkonzert zurückzuführen, sondern könnte auch mit den „Umdrehungen“ des Nationalgetränks zu tun haben – die auf der Flasche genannten 59% liegen doch deutlich über unserem gewohnten Maßstab…

Im angrenzenden Dorf begegnet man uns mit derselben Gastfreundschaft. Ganz gleich ob beim Restaurantbesuch oder im Lädchen an der Ecke – die Einheimischen winken uns freudig zu und versuchen bei jeder Gelegenheit, mit uns ins Gespräch zu kommen. Unsere drei Wörter Albanisch – „Guten Tag“, „Danke“ und „Auf Wiedersehen“ - öffnen Herzen und Türen. Es werden Getränke spendiert, wir verbringen Stunden damit, Handybilder von Familienmitgliedern, Haustieren und schönen Orten auszutauschen, man lädt uns zum Essen ein und erzählt uns aus dem albanischen Alltag. Dabei erfahren wir, dass ein normaler Tagesverdienst vor Ort bei etwa 5 bis 8 Euro liegt, während die Kosten für Benzin oder Mieten überdurchschnittlich hoch sind - was uns angesichts der Großzügigkeit dieser Menschen umso verlegener macht.

In den nächsten Tagen gehen wir auf Erkundungstour durch Tirana. Auch dieser Ort steckt voller Überraschungen und Kontraste. Die sozialistische Vergangenheit ist noch an allen Ecken und Enden sichtbar, doch Innovation und Moderne sind nicht mehr aufzuhalten. Überall wird gebaut, unzählige Cafés und Restaurants säumen die Fußgängerzonen und selbst werktags sind die Straßen voll mit flanierenden Einheimischen, Studenten und Touristen.

Die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt, vom zentralen Skanderbeg-Platz bis zur Et’hem-Bey-Moschee, von der Enver-Hoxha-Pyramide bis zum historischen Nationalmuseum und vom Kulturpalast bis zum Rinia-Park, treten bei all den Eindrücken schon fast etwas in den Hintergrund – man sollte sie sich trotzdem nicht entgehen lassen! Jedes der Bauwerke und Denkmäler birgt eine spannende Geschichte, die untrennbar mit der albanischen Kultur verbunden ist und Tradition mit Fortschritt vereint.

Nach unserem kleinen Städtetrip führt uns die Route weiter zum Livadhi-Strand – einem der etwas „ruhigeren“ Küstenabschnitte. Hier haben sich zwar einige Campingplätze und Restaurants angesiedelt, im Vergleich zu den überlaufenen Stränden von Durrës oder Vlorë ist die Gegend aber noch recht familiär und ursprünglich. Unterwegs durchqueren wir den Llogara-Nationalpark, der unser Gespann mit seinen Serpentinen und die wild überholenden Einheimischen zwar einige Herausforderungen, aber auch spektakuläre Ausblicke beschert.

Unser letztes Etappenziel ist Berat, die „Stadt der tausend Fenster“. Dieser geschichtsträchtige Ort mit seiner osmanisch geprägten Architektur, der als einer der schönsten in Albanien gilt, liegt zwischen einem Felsen und dem Fluss Osum und konnte sich seinen historischen Charakter im Kern erhalten. Besonders empfehlenswert hier: Der Campingplatz „Berat Camping Caravaning“. Die Betreiber sind wirklich reizend, der Platz klein, familiär und liebevoll hergerichtet.

 

Kulinarik

Wer nicht nur die Sehenswürdigkeiten kennenlernen, sondern auch einen tieferen Einblick in die Seele seines Gastlandes erhalten möchte, muss unbedingt auch ein paar traditionelle albanische Spezialitäten probieren. Etwas vorsichtigere Gourmets sollten zu Gerichten wie Qofte (Fleischbällchen), gegrilltem Fisch, frischen Meeresfrüchten oder Turshia (eingelegtem und gegrilltem Gemüse) greifen. Experimentierfreudige können sich an Kukurec (gefüllten Schafsdärmen), an einem der vielen Innereiengerichte oder an Kokë (im Ganzen gebackener Schafskopf, der längs aufgeschnitten serviert wird) heranwagen. Wir haben Mut bewiesen und alle genannten Speisen gekostet – es lohnt sich, auch wenn man sich vielleicht im ersten Moment etwas überwinden muss!

Unser Tipp: Manche Restaurants legen Touristen eine auf den ausländischen Geschmack abgestimmte Speisekarte vor – die einheimische Version gibt es erst auf Nachfrage!

Albanien – Nicht „Adiós“, sondern „Bis bald“!

Leider müssen wir uns nun schon wieder von Albanien verabschieden, um auch noch die nächsten geplanten Ziele anzusteuern – und wie immer war der Aufenthalt viel zu kurz. Doch eines ist sicher: Wir kommen wieder, um dieses zauberhafte Land weiter zu erkunden, unsere neuen Freunde zu besuchen und vielleicht sogar ein bisschen Albanisch zu lernen.

Shihemi së shpejti – Bis bald!

Albanien schön